März 21

November 2020

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Sep 20


Liebe Freunde!

Die Nacht ist das Ende des Tages, aber nicht das Ende.
Dezember ist das Ende des Jahres, aber nicht das Ende.
Der Tod ist das Ende des Lebens, aber nicht das Ende.
Autor unbekannt


Politik

Nein, wir sind nicht glücklich über die gestrige Vereidigung des linksgerichteten Präsidenten Luis Arce Catacora, der am 18. Oktober mit 55% aller Stimmen die Wahl in Bolivien gewonnen haben soll. Schon während der Auszählung gab es, wenn auch längst nicht so massiv wie letztes Jahr, Proteste, Straßenblokaden und Streiks. Wie letztes Jahr wird Wahlbetrug vermutet. Hauptsächlich bei uns im Tiefland Boliviens, sowie in fast allen Stätten des Landes ist man gegen eine Rückkehr der MAS (Movimiento al Socialismo). Die sozialistische Partei, die fast 14 Jahre vom Vorsitzenden der Cocabauern Evo Morales angeführt wurde, die Partei, die Cuba und Venezuela als großes Vorbild feiert, und zum sozialistischen Forum von Sao Paulo gehört, ist wieder zurück. Und die Opposition ist selbst Schuld daran.


Wahlkampf findet in Bolivien nur in den Medien und auf der Strasse statt.
Presäntation der Wahlergebnisse im Fernsehen.

Eigentlich sollte man fähig sein, einfache mathematische Zusammenhänge zu erkennen. Die Zusammensetzung der bolivianischen Bevölkerung besteht aus 60% Indigenen (Nachfahren der Urbevölkerung Quetschua und Aymara) 26% der Mestizen (ein Elternteil Indigen, der andere weiß) sowie 14% Weiße (Nachfahren europäischer Einwanderer). Und obwohl es selbst unter den Indigenen eine Gruppe von Gegnern der MAS gibt, und Andere die von brutalen Behandlungen von Seitens ihrer Partei berichten, ist der Gruppenzwang so groß, dass diese Menschen immer für „ihre“ Partei wählen werden. Nachdem nun letztes Jahr, nach 21 Tagen friedlichen Wiederstandes des ganzen Landes, den Kopf der Partei, den Drogen-Diktator Evo Morales, aus dem Land gejagt hatte, kam für die Hälfte der Bevölkerung das große Aufatmen.

Die Übergangsregierung mit Jeanine Añez wurde eingesetzt und jeder dachte „jetzt kann es nur noch gut werden“. Leider war nicht klar, dass man zwar den Diktator, aber nicht die Diktatur verjagt hatte. Añez musste mit einer 2/3 Mehrheit der MAS im Parlament zurechtkommen, die Welle der Covid19 Pandemie mit 4 Monaten strikter Ausgangssperre und die damit verbundenen Korruptionsskandale in den eigenen Reihen, ließen die Hoffnungen auf eine „saubere“ Regierung schwinden. Nachdem, trotz Protesten, die Partei MAS mit einem neuen Kandidaten in den Wahlkampf zog, wäre die logische, und auch mathematische Schlussfolgerung der Opposition gewesen sich auf einen einzigen Kandidaten zu einigen.


Übergangspräsidentin Jeanine Añez.
Wahlkampf im Tiefland.

Doch leider, leider ließen Machtgier, Rechthaberei, Stolz und Hochmut eine Einigung nicht zu. Fünf Kandidaten zogen gegen Einen in den Wahlkampf, und so kam es wie es kommen musste. Die Stimmen der Opposition wurden auf vorwiegend zwei Kandidaten verteilt und verlor somit die Chance für eine Mehrheit, welches zum Wahlsieg der MAS führte. Die Hälfte der bolivianischen Bevölkerung freut sich nun, und schürt den Hass mit Racheandrohungen. Die Haftbefehle gegen Evo Morales und sämtliche korrupten Regierungsgenossen wurde aufgehoben, heute (9. November) kam Evo Morales in einem Triumphzug über die argentinische Grenze nach Bolivien zurück. Die andere Hälfte der bolivianischen Bevölkerung hingegen, schaut den Ereignissen fassungslos zu. Nach dem Schock machen sich Resignation, Angst, und Hoffnungslosigkeit breit. Wo man hinhört,- die Menschen würden am liebsten gehen, das sinkende Schiff verlassen, nach dem Motto „rette sich wer kann“. Die Rede zum Regierungsauftakt von Luis Arce war zudem keine versöhnliche Ansprache, sondern eine rassistische, trennende, scharfe Rede. Zu den Festlichkeiten kamen, neben dem König aus Spanien Felipe VI, Vertreter von Iran, Argentinien und Venezuela. Die diplomatischen Verbindungen zu Cuba und Venezuela wurden wieder aufgenommen. Es muss damit gerechnet werden, dass dieses Land nicht so schnell zur Ruhe kommt, schon jetzt beginnen Racheaktionen der MAS Anhänger gegenüber der Opposition.

Geistliche Dimension

Natürlich hat es Auswirkungen auf ein Land, wenn ein Staatsoberhaupt seine Amtszeit im Kreise von Schamanen beginnt, um der Göttin Pachamama (Mutter Erde oder Mutter Welt), Opfer zu bringen, um sie gnädig zu stimmen und ihren Segen zu erhalten. Es ist die Kultur der Andenvölker, auf Klippen und Hügeln Altäre zu errichten, auf dem Süßigkeiten, heilige Räucherwerke, Zigaretten und Kokablätter verbrennt werden, alles zusammen mit Trommelrhythmen und Gesang. Damit werden der Körper und die Seele gereinigt und der Mutter Erde gehuldigt. Evo Morales hat sich als erster Indigener Präsident in Tiahuanaco, der höchsten Kultstätte sozusagen als König Inca weihen lassen, und nun auch der neue Präsident Luis Arce Catacora.


Der gewählte Präsident, sein Vize und die Ehefrauen beim zelebrieren der Vorkolonialen Opferriten der Inkas auf der Kultstelle "Tihuanaco".


Als Christen wissen wir, dass Gott jegliche Art von Götzendienst verabscheut. In den Büchern der Könige, Chroniken und Richter der Bibel wird immer wieder erzählt, dass Gott Unheil, Kriege und Zerstörung zuließ, weil der amtierende König tat was dem Herrn missfiel, nämlich anderen Göttern zu opfern. Nun kann man ins Feld führen, dass Bolivien nicht Israel ist und dass die Andenvölker schon immer ihre Gottheiten verehrt haben. Ja, und genau deswegen waren die Christen ja letztes Jahr so froh, als symbolisch die Bibel in den Regierungspalast einzog. In der jetzigen politischen Situation ist, die schnellwachsende, evangelikale Gemeinde berufen, in den Riss zu treten, um für ihr Land, die Regierung und deren Entscheidungen um Gnade zu bitten. Das wird sehr ernst genommen,- es gibt unzählige Gebetsaktionen, auch per Zoom, und wir glauben, es wurde in Bolivien noch nie so viel wie in diesem Jahr 2020 gebetet. Wir wissen, dass unserem Herrn nichts entgeht und so beten auch wir für Segen und Weisheit der Menschen in Verantwortung sowie für Frieden im Land als auch in unseren Herzen.

Erstes Regionaltreffen deutschsprachiger Christen

Just am Tag der Amtseinführung (8. November) durften wir deutschsprachige Christen aus Santa Cruz und Umgebung bei uns zusammenbringen. Es gibt einige Deutsche in Bolivien, hauptsächlich Aussteiger, Weltenbummler und Geschäftsleute. Aber Deutsche und deutschsprachige Christen gibt es nicht sehr viele. Im Zeitalter der Vernetzung finden wir es wichtig, dass gerade wir unter Deutschen Christen voneinander wissen, um uns zu stützen und Hilfestellung zu geben. Auch und gerade im Hinblick auf die unsichere politische Zukunft. In diesem Sinne war das erste Kennenlernen mit 16 Personen sehr schön und wertvoll.

Projekt „für eine bessere Zukunft“

Im September gab es reichlich Kleiderspenden zum Abholen und Ausgeben. Es ist immer eine Freude zu sehen wie sich die Frauen über die Kleiderspenden freuen. Zudem durften wir an der Taufe einer unserer Projektfamilien teilnehmen. Das war ein besonderes Ereignis in mehrerer Hinsicht. Wir beten ja täglich, dass unsere Projektfamilien JESUS CHRISTUS als ihren Herrn und Heiland erkennen, dass die vielseitige Hilfe, die sie erfahren ihr Herz erweicht, und sie im HERRN ihren Sinn und Halt finden. Joselyn (27 Jahre) seit 4 Jahren im Rollstuhl wegen fortschreitender MS, ist Mutter zweier Projektkinder. Sie hat den Herrn als Kind kennengelernt, kam auf Abwege, bekam 3 Kinder und wurde krank. Nun schleppte sie sich mit Hilfe zweier Männer zu einer tieferen Stelle im Fluß Pirai, um sich taufen zu lassen,- sie hat erkannt, und niemand hält sie davon ab, dass der HERR ihr Erlöser, Helfer und Retter ist! Durch diese Taufe lernten wir die Pastoren der Pfingstgemeinde kennen, die uns dann gleich zwei Mal hintereinander zum Predigen in ihre Gemeinde einluden.


Taufe im Fluss ""Rio Pirai"".
Kleiderausgabe bei uns auf der Veranda.

Die Monate Oktober und November werden als „Matratzen Monate“ in die Geschichte unserer Projektaktivitäten eingehen. Dadurch, dass wir weniger Ausgaben im Schulbereich hatten, denn die Schüler wurden Mitte März in Quarantäne geschickt und im August wurde das Schuljahr als beendet erklärt, konnten wir für das eingesparte Geld jedem Kind unseres Projektes eine gute Schaumstoffmatratze übergeben. Die Freude darüber ist natürlich groß.


Die Matratzen haben wir jedem nach Hause gbracht.
Jahresbericht für die Paten in Deutschland.

Im November und Dezember schreiben wir für die Personen, die unsere Kinder im Projekt finanziell unterstützen, einen Jahresbericht. Jeder bekommt einen Brief „seines“ Kindes, eine Bilderzusammenstellung vom aktuellen Jahr, einen schriftlichen Report über das Ergehen des Kindes mit seiner Familie, sowie ein Begleitschreiben. Das ist zwar viel Arbeit, denn immerhin haben wir die 40er Marke der unterstützen Kinder überschritten, doch ist es auch gut am Ende des Jahres eine Reflektion über jedes Kind zu bearbeiten, um neue Ideen zu sinnvoller Hilfe und Unterstützung für das kommende Jahr zu entwickeln.

Das Jahr 2020 geht in großen Schritten dem Ende zu

Persönlich sind wir froh und dankbar GESUND durch dieses Jahr gekommen zu sein. Unsere Anni hat nun alle Examen ihres Studiums geschafft, doch durch die Pandemie kommt sie mit dem praktischen Teil nicht weiter, denn die Zahnklinik der Uni ist nach wie vor geschlossen. Das ist sehr frustrierend für sie. Nächstes Jahr wollen wir, beim 90. Geburtstag von Dorotheas Vater am 15. Mai 2021 dabei sein. Wir beten dafür, dass die Pandemie diese Reise zulässt!

siehe auch den Jubiläumsvideo "Wolfgang & Dorothea 25 Jahre Bolivien"



Zum Abschluss

Es sind herausfordernde Zeiten in der wir leben, ein seltsames und doch gesegnetes Jahr liegt hinter uns und wir alle fragen uns, wie es so weitergehen wird in dieser Welt. In Johannes 16:33 steht „In der Welt habt ihr Angst: aber seid getrost ich habe die Welt überwunden!

In diesem Sinne wünschen wir Euch den Segen des Höchsten. In Jesus finden wir Ruhe und Frieden, sowie Gelassenheit und Freude, die uns dann wieder Kraft und Stärke gibt, den Anforderungen und Stürmen des Lebens Stand zu halten.

Mit dem Vers aus Johannes 10, 10b wünschen wir eine schöne und erfüllende Weihnachtszeit!
Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“.

Eure Dorothea & Wolfgang Landes

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