Dorothea & Wolfgang Landes
Hogar de Niños
"Wayne Walker"

April 2011

Los Chacos, Santa Cruz - Bolivien

Infobrief April 2011


Mai 11


Okt 10

Liebe Freunde!

Fünf Tage nach ihrem 18. Geburtstag brach unsere Tochter Ann-Kathrin Mitte März ihre Zelte in Deutschland ab um in Bolivien ein neues Leben zu beginnen. Am 9. Abril gab sie ihrer großen Liebe Adolfo Apodaca vor dem Standesbeamten das „Ja“ Wort. Derzeit leben sie in einem gemieteten Zimmer in Santa Cruz, da das Haus, welches Adolfo gerade baut, noch nicht ganz fertig ist. Viele unserer Freunde wissen, daß wir als Eltern mit dieser Entscheidung aus vielfachen Gründen nicht einverstanden waren. Die Auseinandersetzung mit Ann-Kathrins Wünschen und Lebensvorstellungen prallten bei uns die letzten zwei Jahre immer wieder auf Unverständniss und provozierten viel innere Not. Gespräche, Ratschläge und Appelle, auch von verschiedenen anderen Personen konnte ihre Sehnsucht nach einem Leben in Bolivien an der Seite dieses Mannes nicht übertönen. Sie hat Kämpfergeist bewiesen, eine Gabe, die sie sicher auch weiterhin einzusetzen hat.


Die zivilrechtliche Heirat durch die Standesbeamtin fand im Restaurant Chalet La Suisse in kleinem Kreis statt.


Das Gruppenbild zeigt Anni und Adolfo mit seinen 6 Halbgeschwistern.

Für uns war diese Auseinandersetzung aber auch Auslöser einer tieferen Krise, die wir gerade dabei sind zu bewältigen. „Die Krise der Lebensmitte schüttelt alle Elemente des menschlichen Lebens durcheinander um sie zu scheiden und sie neu zu ordnen. Vom Glauben her gesehen ist in dieser Krise Gott selbst am Werk. Er bringt Bewegung ins menschliche Herz, um es für sich selbst aufzubrechen und es von aller Selbsttäuschung zu befreien“. In seinem Büchlein über die Lebensmitte als geistliche Aufgabe schreibt Anselm Grün: „Es gilt sich und sein Leben für Gott aufzubrechen, damit er an uns handeln kann und in unseren Schwächen stark sein kann." Der Durchbruch zu wahren Frieden ist erst möglich wenn wir uns unserem inneren Unfrieden stellen: „Zur Gelassenheit gehört auch die Bereitschaft zum Leiden. Gelassenheit bedeutet nicht daß man seine Ruhe hat und die genießt, im Gegenteil man läßt auch seine eigene Ruhe aus der Hand, man ist bereit sich von Gott ins seelische Gedränge führen zu lassen. Echter Friede wird allein aus dem Unfrieden der Läuterung im Gedränge geboren.“ Das Büchlein zitiert weiter: „Oft genug ist Gottes Handeln an uns schmerzlich. Dann gilt es, Gott in mir auszuleiden, zu tragen, was er mir schickt, ohne daran innerlich zu zerbrechen. Man muß erst langsam lernen sich dem Wirken Gottes ganz zu überlassen.“ Ziel der Krise soll sein: „Anstatt über unsere Krise zu jammern, würden wir dann Gott dafür danken daß er an uns handelt, daß er unsere Starre aufbricht für seinen Geist, der unser Herz immer mehr verwandeln möchte“ In diesem Sinne möchten wir „unsere“ Krise verstehen und auch aushalten und schließlich bewältigen.
(Zitiert aus "Lebensmitte als geistliche Aufgabe, Amselm Grün, Vier-Türme Verlag 2008, ISBN 978-3-87868-128-1)

Bezüglich unserer Tochter haben wir beschlossen Frieden mit der Situation zu schließen. Wir gewinnen nichts dabei wenn wir uns grämen. So hat Wolfgang während seiner Rede an der standesamtlichen Feier öffentlich Vergebung ausgesprochen, mit dem Hinweiß, daß es jetzt darauf ankomme „Taten“ zu sehen. Der Worte und Versprechungen sind viele gesagt worden, nun wollen wir auf den Herrn vertrauen, daß er Gnade und Gelingen schenken möge. Natürlich befehlen wir das junge Paar auch euren Gebeten an. Wer den Beiden eine Starthilfe zukommen lassen will darf dies gerne tun: Ann-Kathrin Landes, Sparkasse Karlsruhe, BLZ 660 501 01, Konto 102 063 9058.

Thomas
ist gerade dabei mit Volldampf die 8. Klasse zu beenden. Daß Dorothea dabei als Lehrerin genausoviel lernt wie er, ist ein willkommener Nebeneffekt. Im März konnte Thomas mit der Abschlußprüfung erfolgreich die einjährige Grundausbildung zum Automechaniker in Montero abschließen. Dieses Jahr hat ihm enorm gut getan, er hat an Selbstbewußtsein gewonnen und ist innerlich sowie äußerlich recht gewachsen. Wir hoffen darauf im September einen Lernhelfer für die 9te Klasse Hauptschule bei uns begrüßen zu dürfen. Bitte hört Euch um, denn bis jetzt haben wir noch keinen Lernhelfer in Aussicht!


Thomas und Florentino

Neues aus dem Heim
Florentino
der mit Thomas zusammen die Ausbildung in Montero besuchte, versuchte erst gar nicht die Anschlußprüfung zu schaffen. Überzeugt, daß er durchfallen würde, und zu faul zum lernen, sprang er vorher ab. Wohl aber hat er handwerkliches Geschick bewießen, denn in der Milchwirtschaft konnte er schon einige kompliziertere Reperaturen meistern. Florentino hat nun die Möglichkeit bekommen in Santa Cruz in einer hochmodernen Hydraulik Werkstatt sein Wissen zu vertiefen. Wir hoffen, daß er den Arbeitsanforderungen stand hält und die Chance für sein Leben nutzen kann.

Roger
entschloss sich, für alle überraschend, am 22 März sein Rucksäckchen zu packen und zu gehen. Auslöser war eine gängige, und schon oft dagewesene Diskussion mit Delina bezüglich seines nicht tolorierbaren Verhaltens. Tragische Tatsache bleibt, daß für die Heimkinder die Tür zur Welt wesentlich weiter offen steht als für Kinder die in festen Familiengefüge aufwachsen. Viele Jugendliche tragen in sich mal den Gedanken abzuhauen. Teenagerrebellionen sind normal und für keine Seite einfach auszuhalten,- leider führt sie bei Jugendlichen ohne feste Bindungen schnell zu Überreaktionen. Bitte betet für Roger, von dem wir nun hören daß er mit seinen 14 Jahren anfängt Alkohol zu trinken, zu rauchen und beginnt „sein Leben zu genießen“.

Diego,
Rogers kleiner Bruder bleibt zurück. Und so muß auch er wieder ein Verlassenheitstrauma bewältigen. Seine Entwicklung im allgemeinen ist erfreulich,- er lernt mit seinen 12 Jahren sich auszudrücken, und ist nicht mehr ganz so scheu und in sich gekehrt. Elisabet, unsere Erzieherin gibt ihm zuhause Unterricht, durch den er nun fähig ist zu lesen, zu schreiben sowie einfache mathematische Rechnungen zu meistern.

Über Miguel
gibt es nichts Neues zu berichten. Er hilft in der Milchwirtschaft mal schlecht, mal recht, mit. Seine herausragende Faulheit ist bemerkenswert denn er bemüht sich wirklich nichts tun zu müssen. Trotzdem versorgt er täglich die Hühner mit Mais und Wasser, auch ist seine Aufgabe das Hundefutter täglich zu kochen.

Angelo
Hat sich wieder einiges an Dreistigkeiten erlaubt. In einer super aufdringlichen Art und Weise giert er nun unserer Erzieherin hinter her. Klaut ihre Unterhosen und zieht sie sich an, legt sich während der Mittagspause unter ihr Bett, ritzt die Moskitonetzte an ihrem Fenster auf um hereinzuspäen, klaut usw. Sein Sexualtieb geht so oft mit ihm durch, daß kein Gaul, keine Kuh und kein Hund vor ihm sicher sind. Die Schmerzgrenze unseres Heimpersonals ist erreicht, es ist wirklich für alle eine nicht mehr auszuhaltende Zumutung. Und so warten alle eigentlich nur noch auf den Tag X andem er ausziehen kann. Wolfgang hat im Zusammenhang des Baus von 2 Arbeiterwohnungen auch für Angelo eine extra „Swuite“ errichten lassen. Eine Zelle mit Waschbecken und Toilette im hinteren Teil unseres Geländes. Ein Arbeiter der Landwirtschaft will die Verantwortung für ihn übernehmen, d.h. seine Frau wird ihm das Essen kochen, und der Arbeiter sorgt dafür daß er Ordungsgemäß nachts unter Schloß und Riegel kommt. Uns ist natürlich bewußt daß dies keine Glanzlösung ist, aber immerhin, es ist eine Lösung!


Damit unsere Heimarbeit dann endlich weitergehen kann werden wir einen Zaun um das Heimgebäude errichten müssen,- denn nur dann sind die neuen kleinen Kinder wirklich geschützt. So haben wir uns sehr über eine Spende von 2.000,- US Dollar der Banco Nacional de Bolivia gefreut, die uns nun diesen Zaum ermöglicht. Durch die abnehmende Zahl der Heimkinder, jetzt sind es ja nur noch drei, hat das vierköpfige Personal natürlich viele Kapazitäten frei. Dies ist eine gute Gelegenheit sich zusammen zu setzten, Vergangenes zu reflektieren sowie neue Erzeihungsstrategien zu entwickeln. „Disciplina positiva“ ist ein fundiertes Erziehungsbuch von Jane Nelsen (auf Deutsch: Kinder brauchen Ordnung) welches wir nun in wöchentlichen Gruppensitzungen erarbeiten. Der Auftakt dazu war schon ganz gut, und wir erhoffen uns dadurch einen tieferes Verständniss über das Verhalten der Kinder und Jugendliche zu entwickeln.

Externe
Darwin ist gerade noch beim Militär in Guarayos (Gegend im nördlichen Tiefland) stationiert und langweilt sich. Er wird seinen Dienst im Juni hinter sich gebracht haben und möchte dann auf jeden Fall in Santa Cruz studieren. Juan Carlos und Jose gehen weiterhin auf das technisches Wirtschaftsgymnasium in Santa Cruz. Beide arbeiten halbtags in der Gemeinde Santa Cruz in dem sie den Hausmeister in seinen vielfältigen Putzaufgaben unterstützen. Carlos und Antonio haben sich bei ihrer Mutter eingelebt. Antonio hatte leider den ersten Anlauf der Aufnahmeprüfung für die Universität nicht geschafft. Nun nimmt er an einem Vorbereitungsprogramm teil, um in Juni einen neuen Versuch zu starten. Sowie sie Zeit haben kommen die „Stadtjungs“ zu Besuch, welches eine willkommene Abwechslung für sie ist. Marianella ist mit Richard, ihrem Mann und ihren beiden Kindern Analena und Jose zu uns nach Los Chacos gezogen. Derzeit arbeitet Richard bei uns im Milchbetrieb. Schade daß er mit seinem Verhalten (trinken, lügen, übel reden) für unsere Heimjungs eher zum negativen Vorbild geworden ist. Über den Verbleib von Jessica wissen wir leider nichts. Auch haben wir schon Jahre nichts mehr von Fernando, Juan und Pedro gehört. Marcelo lebt gerade bei einer Familie im Dorf und geht hier zur Dorfschule.

Landwirtschaft
Seit Anfang diesen Jahres ist Wolfgang dabei Don Joselo, einen Arbeiter der sich durch seine Treue, Loyalität und Fleiß ausgezeichnet hat, als Vorarbeiter einzuarbeiten. So übernimmt Don Joselo in enger Absprache mit Wolfgang derzeit die Aufsicht über alle täglichen Rutienearbeiten. Ziel ist es ihn auch in die Führung des Herdbuches sowie der Kasse einzuarbeiten. Dies aber Bedarf nicht nur ein komplexeres Computerverständniss sondern auch Fähigkeiten, Denkvorgänge logisch nachzuvollziehen und eventuell zu korrigieren.

Zukunft
Jetzt schon spüren wir eine Entlastung im Alltag, sodaß z.B. gemeinsames Frühstücken, Wochenendbesuch in Santa Cruz, lesen oder entspannende Videoabende wieder mehr möglich geworden sind. Auch hat Wolfgang wieder angefangen Schlagzeug zu spielen und in Santa Cruz Unterricht zu nehmen. Ziel ist, die Gesamtlast der Milchwirtschaft abzugeben. Mit unserer Gemeindeleitung sind wir überein gekommen, daß wir die Landwirtschaft verkaufen wollen. Plan ist, mit dem Erlös der Landwirtschaft in Santa Cruz ein Gelände zu erwerben, um dort das Heim weiter zu führen. So könnten wir das Potential, welches unsere schnell wachsende Gemeinde in Santa Cruz besitzt, wesentlich besser nutzen. Da niemand in die Zukunft blicken kann und niemand weiß wann dies sein wird müssen wir Zweigleisig fahren. Also so lange wir in Los Chacos sind, werden wir auch hier beginnen kleine Kinder aufzunehmen. Die Landwirtschaft wird weiterhin dahingehend umstrukturiert, daß der Maschineneinsatz minimiert wird, auch sonst sollen alle Arbeitsabläufe möglichst einfach und gemäß den Fähigkeiten des bolivianischen Personals angepasst werden.

Gemeindearbeit
Mit Überzeugung und Liebe macht Dorothea weiterhin die Kinderarbeit im Nachbardorf La Esperanza. Es hat sich einen festen Stamm von ca 20 Kindern gebildet der mit Freude dabei ist und so haben wir immer viel Spaß miteinander. Abends dann versammeln sich derzeit 6-8 Frauen bei uns im Haus. Wolfgang hält seine Männerzellgruppe eher sporatisch ab, da sie viel mehr abhängig ist von den Arbeitsabläufen der Landwirtschaft sowie der allgemeinen Betriebsstimmung.

Sonstiges
Daß Dorothea eine neue kreative Ader in sich entdeckt und dies im letzten halben Jahr mit schönen Resultaten umgesetzt hat weiß villeicht der ein oder andere über Facebook. Banner und Fahnen nähen, in glitzernden Stoffen, den Namen unseres Herrn groß machen, das treibt sie an. So sind die Banner: „Der Löwe- das Lamm“ im Oktober/November sowie „Jesaja 61,1-3“ im Januar/ Februar entstanden. Drei Banner mit den Namen Gottes, Jesuha, und Heiliger Geist waren eine Auftragsarbeit für eine andere Gemeinde. In Santa Cruz werden viele verschiedene Banner in besonderen Gottesdiensten oder Kongressen präsentiert. Die zwölf Banner der zwölf Stämmen Israels zu nähen wird eine zukünftige Aufgabe sein. Wer sich allgemein für dieses Thema interessiert kann gerne sich unter www.maranatha-banner.de informieren.

Zum Schluß möchten wir erwähnen daß wir im Juni / Juli für 4 Wochen in Deutschland sein werden. Anlaß ist die goldene Hochzeit von Dorotheas Eltern am 16. Juli, die in Kombination mit dem 80 Geburtstags ihres Vaters gefeiert wird. Dies wird sicher ein sehr schönes Fest, auf welches wir uns natürlich schon sehr freuen! Nun bleibt uns noch Euch allen zu danken, einmal mehr für alles Durchtragen durch die vergangene nicht leichte Zeit. Danke fürs beten, aber auch für alle finanzille Liebe die wir erleben dürfen.

Ganz herzliche Grüße aus Bolivien und bis wir uns wieder-sehen oder wieder-lesen oder wieder-hören Gott befohlen.
Dorothea & Wolfgang mit Thomas

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“Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand sondern gedenke an ihn in allen deinen Werken, so wird er dich recht führen." Sprüche 3, 5


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