Dorothea & Wolfgang Landes
Hogar de Niños
"Wayne Walker"

Juli 2002

Los Chacos, Santa Cruz - Bolivien

Infobrief Juli 2002


März 03


März 02
GEDANKEN:

„Waaaas? Schon wieder Mitte Juli!! Die Zeit, so scheint es uns, bekommt Füße!“. Geht es euch auch so? Wolfgang meinte neulich: „Mein Leben könnte ich manchmal mit einem „Siedler“ Spiel vergleichen: Ich strenge mich an mein Ziel zu erreichen, baue Straßen, Siedlungen und Städte, komme weiter, doch irgendwie sind andere schneller, besser oder haben einfach mehr „Glück“.
Es läuft nicht so wie man es sich wünscht. Es fallen die falschen Zahlen, ich bekomme die falschen oder gar keine Karten, mit dem Handeln klappt es nicht so, jemand verbaut meinen Weg und die Zeit läuft davon. Ich strenge mich an, versuche das Beste, doch schlussendlich erreiche ich nicht das Ziel, ein anderer war schneller. Dabei scheitere ich nicht an meinem fehlenden Willen oder Können, sondern an den äußeren Umständen, die ich nicht beeinflussen kann! „Die Zeit läuft davon“ – kennt ihr das?
Ob das nun die erste Midlifecrisis ist oder einfach am Leben in einem Entwicklungsland liegt, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass das Leben auch manchmal ganz schön zäh sein kann: Da hatten wir schon eine Milchleistung von über 450 Litern am Tag, dann kommt zuviel Regen, eine Kälteperiode oder das nötige Kraftfutter ist nicht lieferbar, und schnell wird man wieder zurückgeworfen. Eine Trockenphase von über 4 Wochen lässt die frisch gesäte Futterhirse nicht keimen, so dass wir Knappheit an Grünfutter haben. Über ein Jahr stand nun unser Fiat Traktor still, nur weil es die passenden Reifengröße nicht gab.

In der Milchwirtschaft ist es wirklich so dass wir zwei Schritte voraus und einen wieder zurück gehen. Die Liste der Besorgungen wird nie kürzer. Mindestens ein bis zweimal die Woche müssen wir deswegen nach Santa Cruz fahren. In der Regel sind 2-3 Anfahrten nötig um das Gewünschte dann auch zu bekommen.

Mit unserem Bankraub (zur Erinnerung: Anfang Januar wurden von unserem Konto 4800 $ geplündert) sind wir auch nicht weiter. Der Rechtsanwalt produziert außer einem Stapel Papier nichts! „Wir leben eben im geliebten Boli-Land“ sagt meine Schwester Beate so nett. Mich (Dorothea) überkommt eine Depression weil über Nacht eine wild gewordene Blattschneider-Ameisenkolonie meinen so geliebten und gepflegten Blumengarten kahl nagt und nur noch erbärmliche Stängel übrig lässt.


Gesellschaftsspiel "Siedler":
vor dem Kamin, weil es so kalt ist (10 Grad).

WINTER:
Es ist Winter geworden bei uns. Stürmisch pfeift der Wind ums Haus. Und so scheint es, dass wir auch geistlich gerade mit sehr viel Gegenwind zu kämpfen haben. Waren wir vor einem Jahr noch eine schnell wachsende Gemeinde, so kann man dieses Jahr alles andere als das behaupten. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist gleich geblieben, unsere Zellgruppen stagnieren. Wir würden uns so sehr mehr Verbindlichkeit und Standhaftigkeit unserer Leute wünschen. Wünschen, dass ihr chronischer Geldmangel endlich ein Ende hat, dass Freude und Lebensenergie in ihrem Leben Einzug halten, sie aus ihrer Lethargie und Depression aufwachen und die Verheißungen Gottes in ihrem Leben Realität werden.

Dann lese ich im Aufatmen ein Gedicht der Kapitulation und Übergabe von Frauke Eicker:

Mein Nichts- für Dein Alles
Meine Leere für Deine Fülle
Meine Begrenztheit für Deine Grenzenlosigkeit
Meine Ohnmacht für Deine Allmacht
Meine Stolz für Deine Demut
Meine Sünde für Deine Heiligkeit
Mein Alles für Dich selber- HERR
 

Ja, das ist es, denke ich. Wir müssen immer wieder loslassen, abgeben in Jesu Hände und trotz allem Gegenwind eben nicht aufgeben!

„Meine Ungeduld für Deine Geduld, mein Versagen für Deine Perfektion, meine Niedergeschlagenheit für Deine Freude, mein Alles für Dein Alles HERR!“ füge ich hinzu.

ABGEBEN, ABER NICHT AUFGEBEN!
Ich glaube das ist momentan unser Kurs. Und wie heißt es so schön im seinem Wort: „es wird nicht durch Kraft oder Macht geschehen, sondern durch meinen Geist spricht der Herr!“ Daran glauben wir fest, und so laufen wir den guten Lauf weiter und wollen nicht müde werden, bis zum Ziel, wie es Paulus schreibt.

WOCHENPLAN:
Neben den zwei Alltag bestimmenden Säulen, nämlich das Kinderheim mit 14 Kindern, welches Karin und Stefan betreuen, und der Milchwirtschaft mit Wolfgang als Verantwortlichen, bietet der gemeinsame Aufbau unserer kleinen Gemeinde einiges an Programm. Hier unsere regelmäßigen Wochenaktivitäten im Überblick:

Montag: Fahrt nach Santa Cruz. Die Fahrt wird regelmäßig für Besorgungen genutzt. Stefan nimmt Gitarrenunterricht, so sind Fam. Pohl meistens auch in der Stadt unterwegs.

Dienstag: Morgens haben wir Teamsitzung und Gebet mit Karin und Stefan. Das ist sehr gewinnbringend und wichtig für uns als Viererteam und für die Leitung der Gemeinde.
Nachmittags ist Frauenzellgruppe die ich (Dorothea) leite.

Mittwoch: Morgens fahre ich mit Rina, einer Frau aus meiner Zellgruppe, in das halbstündig entfernte Dorf Okinawa. Dort treffen wir uns seit ca. 3 Monaten mit Anna Reina die, neu im Glauben, sehr dankbar für unser gemeinsames Bibelstudium und Gebet ist. Auch ihre Mutter sowie Schwiegermutter setzten sich schon manchmal zu uns und sind offen für das Evangelium. Anna Reina selbst gibt ein gutes Lebenszeugnis ab. Ihre Mutter meinte letzten Mittwoch: „Es ist gut daß Du immer kommst. Anna Reina schreit längst nicht mehr so viel, schlägt ihre Kinder nicht mehr und ist freundlicher!“ Ihr Mann Marcelo wird, so weit es die Zeit zulässt, von Wolfgang betreut. Die Gespräche bringen ihn immer wieder zum nachdenken. Wir beten, dass Marcelo seine Ängste verliert und durch eine ganze Hingabe zu Jesus auch fähig wird seine Lebensprobleme zu lösen.

Nachmittags mache ich eine Zellgruppe für Mädchen von 8-12 Jahren die begeistert besucht wird. Derzeit arbeite ich viel mit Rollenspielen: das spielen und sich in die Rollen hineinversetzen ist für mach scheues Mädchen eine große Herausforderung, macht aber allen großen Spaß. Danach treffen sich ca. 12 Jungs im Alter von 10-15 Jahren mit Stefan. Die Geschichte: “Nicht wie bei Räubers“, die Karin übersetzt hat, fesselt die Jungs und Teeangermädchen gleichermaßen.
Abends leitet Stefan die Männerzellgruppe, die auch Wolfgang besucht.

Donnerstags gestaltet Karin nachmittags die Zellgruppe mit ihren Mädchenteenagern.
Abends sind meistens Sonderveranstaltungen wie Taufkurse, Vor- sowie Nachtreffen der Heilungswochenenden.

Freitagabend treffen sich abwechselnd die fünf männlichen und sechs weiblichen Teilnehmer des Leiterschaftskurses. Die Verantwortung des weiblichen Kurses teilen Karin und Ich, den Leiterkurs für Männer leitet Stefan.

Samstag nachmittags mache ich Kinderstunde mit den Kleinsten, parallel dazu gibt es die neuerdings eine Leiterschaftsgruppe für Teenager von Karin oder Stefan. Anschließend treffen wir uns im Anbetungsteam um die Lieder des Sonntaggottesdienstes durchzuspielen.

Sonntagmorgens ist wieder Leiterschaftskurs und Abends Gottesdienst.

ABGEBEN, ABER NICHT AUFGEBEN!
Deswegen machen wir auch alle vier immer wieder Dorfbesuche mit Einzelgespräche und Beziehungspflege. Wolfgang ist in das Direktorium des lokalen Bauernverbandes gewählt worden, da gibt es dann auch immer wieder Sitzungen und Verpflichtungen aber auch viele Möglichkeiten. Stefan ist Mitglied des Elternrates in der hiesigen Dorfschule, auch da bleiben Bittstellungen nicht aus.

BESUCHE:
Immer wieder dürfen wir Leute aus Deutschland bei uns empfangen und verabschieden. So zum Beispiel meine Schwester Beate. Sie war nun 11 Monate bei uns in Bolivien als Lehrerin unserer Mädels (Laura Pohl & Ann-Kathrin) tätig. Sie selbst sagt: „Ein Sabbatjahr liegt hinter mir, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen nicht besser hätte vorstellen können!“ Tatsächlich, neben dem Unterricht konnte Beate nicht nur noch verschiedene Reisen unternehmen sondern auch ganz neu ihre Beziehung zu Gott erleben und erneuern. Für mich war es eine ganz besondere Zeit einen Teil meiner Familie bei mir zu haben, und wir haben es zusammen sehr genossen. „Beate, ganz, ganz herzlich danken wir Dir für Deinen Einsatz, Liebe und Hingabe!! Es war schön Dich hier zu haben und wir danken unserem Herrn für alles was er in deinem Leben getan hat. Du wirst uns wirklich fehlen!“

Im Mai hatten wir für 3 Wochen Besuch von meinem Neffen Joachim Sautter, auch das ist erwähnenswert weil Joachim nicht nur im Volleyball Team des Dorfes bleibenden Eindruck hinterlassen hat! Heidi Goletz bleibt uns noch bis September erhalten, sie bestreitet tapfer den Unterricht unserer zwei wild gewordenen Indianer Thomas und Timo. Wir freuen uns dass alle vier Kinder das Schuljahr erfolgreich abgeschlossen haben, bis Mitte Juli nun genießen sie ihre Ferien.

ZUKUNFT:
Im August erwarten wir Barbara Ströhle und Lisa Lössen, zwei Abiturientinnen die es für ein Jahr bei uns wagen wollen, im November wird dann noch Ursula, eine Sozialpädagogin hinzu stoßen, da Familie Pohl im Dezember ihren Heimatdienst antreten wird. Auch diesbezüglich heißt es Abgeben, aber nicht Aufgeben. Während der Abwesenheit von Karin & Stefan werden wir die Gesamtverantwortung übernehmen sowie die Finanzen des Heimes mit deren Buchführung bestreiten. Für den Alltagsbetrieb und die Kinderbetreuung wird eine zusätzliche Kraft aus Santa Cruz kommen, und wir hoffen mit den drei deutschen Volontären ein gutes Team zu bilden.

ZUM SCHLUSS:
Abgeben, aber nicht Aufgeben, so heißt es derzeit bei uns in fast allen unseren Lebensbereichen. Was ist bei euch „dran?“ Geht es Euch manchmal so wie uns? Über Resonanzen und Antworten Eurerseits freuen wir uns sehr,- nach sechs Jahren Bolivien und drei Jahren seit unserem letzten Heimatdienst lassen langsam die Beziehungen zu Deutschland nach. Wir wollen Euch nicht mit unseren Berichten langweilen, sondern sind bemüht einfach, ehrlich und transparent von unserem Leben zu berichten. Deswegen ermutigen wir euch uns zu schreiben, gerne auch per Email, eventuell Fragen zu stellen, gegebenenfalls Kritik zu üben oder einfach eure Gedanken zu äußern, damit auch wir an eurem Leben teilhaben können.

Abgeben, aber nicht Aufgeben, das geht nur mit Blick nach oben, mit Blick auf unseren Herrn. In diesem wünschen wir euch einen schönen, sonnigen Sommer.

Gott anbefohlen und alles Gute,
  

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